Im Gespräch mit Matthias Heiderich alias Heartbeatbox

Auch verfügbar in: English

Matthias Heiderich, der auf Flickr als Heartbeatbox bekannt ist, ist ein Berliner Fotograf. Kürzlich entdeckten wir seine Arbeiten in seiner Ausstellung im Mission District in San Francisco und stellten ihm ein paar Fragen über seinen Werdegang, seine Fotografie und das Leben im Allgemeinen.

Untitled

Heartbeatbox, du sagst, dass du ein autodidaktischer Fotograf bist. Wie hat alles angefangen und was hat dein Interesse an der Fotografie geweckt?

Autodidaktisch bedeutet, dass ich keine fotografische Ausbildung absolviert und auch keinen Fotografiekurs besucht habe. Ich fing völlig unbedarft an, zu fotografieren und habe mir im Laufe der Zeit die technischen Grundlagen selbst beigebracht. Hin und wieder bemerke ich allerdings, dass ich von manchen fotografischen Dingen keinen Schimmer habe, weil sie bisher für meine Art von Fotografie nicht wichtig waren.

Was das kompositorische angeht, habe ich mir viel von anderen Fotografen abgeschaut. Ich verbringe viel Zeit damit, mir die Arbeit anderer Fotografen anzuschauen. Auf diese Weise habe ich mit der Zeit festgestellt, welche Art Fotos ich selbst machen möchte. Mich interessiert vor allem Architekturfotografie und die vielen Möglichkeiten, die man bei der fotografischen Darstellung von Gebäuden hat.

Das Interesse an Fotografie war bis zum meinem 27. Lebensjahr kaum vorhanden, ich bin eigentlich studierter Linguist und habe mich vorher in meiner Freizeit fast ausschließlich mit Musik beschäftigt. Meine ersten wirklichen Lieblingsfotografen habe ich im Internet auf Seiten wie Flickr gefunden, und irgendwann bekam ich Lust neben der Musik auch etwas Visuelles zu machen.

Flickr war von Anfang an eine große Inspirationsquelle für mich und sehr hilfreich dabei, meinen eigenen Stil zu finden und vor allem auch ein Grund, warum mein Interesse an Fotografie überhaupt erwuchs. Ich habe dort einige meiner Lieblingsfotografen gefunden und erst nach und nach die wirklich berühmten Fotografen der Fotografiegeschichte kennengelernt. Wenn ich heute nach meinen Lieblingsfotografen gefragt werde, dann sind das nicht die großen Namen, die Fotografiegeschichte geschrieben haben, sondern meistens Fotografen, die auch unter meinen Flickr-Kontakten sind.

Welches war dein erster Fotoapparat und welche Kamera würdest du auswählen, wenn du für den Rest deines Lebens nur noch mit einer Kamera fotografieren dürftest?

Die erste Kamera, die ich mir selbst gekauft habe, war eine Pentax K20D. Diese Kamera hat mich auf meinen ersten Berlin-Ausflügen begleitet und mir sehr gute Dienste geleistet. Ich fotografiere immer noch hin und wieder damit. Mit der Zeit kamen viele weitere Kameras dazu, besonders analoge Mittelformat- und Polaroidkameras. Wenn ich mir eine aussuchen müsste, dann wäre das vielleicht eine Yashica Mat 124G. Allerdings würde ich sehr viele davon brauchen, wenn man die Lebensdauer gewisser Teile dieser Kamera bedenkt. Ansonsten ist die Kamera wirklich sehr schön und die Bildqualität toll.

Erzähl und von deinen Lieblingsfotos auf Flickr und warum sie dir gefallen. Als erstes dein Lieblingsbild aus deinem Fotostream.

Untitled

Dieses Foto ist eines meiner Lieblingsfotos von mir selbst: Der Baum vor der bemalten Hauswand in Berling-Reinickendorf war ein glücklicher Fund und die Belohnung für einen sehr langen Fototrip an einem kalten Wintertag.

Und nun noch dein Lieblingsfoto aus dem Fotostream eines anderen Mitglieds.

Untitled

Dieses hier ist eines meiner All-Time Favourites: Kurt Manleys Stream ist wirklich wunderbar, er ist einer meiner Lieblingsfotografen.

Welchen Tip würdest du mit jemandem teilen, der gerade mit der Fotografie beginnt?

Bitte geh sparsam mit dem HDR Effekt um.

Erzähl uns etwas mehr über deine Gedanken zu deiner Serie “Spektrum Berlin”.

Spektrum Berlin ist ein fortlaufendes Projekt, bei dem ich die Farben und Formen der Berliner Stadtlandschaft fotografisch festhalte. Im Grunde gibt es keine große Geschichte hinter den einzelnen Bildern, es ist Konzept-Fotografie und mehr oder weniger die Fortführung dessen, was ich in den Serien Color Berlin und Studien begonnen habe. Die Serie ist eine freies Projekt und rein künstlerischer Natur, das heißt ich nehme mir die künstlerische Freiheit, die Fotos so zu gestalten, wie sie mir persönlich gefallen. Es geht nicht um die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der Objekte, sondern um die Darstellung einer persönlichen Sichtweise auf die Dinge in meinem Umfeld, die eine subjektive Idealisierung enthält.

Die Arbeiten deiner Serie “Spektrum Berlin” werden momentan in San Francisco ausgestellt. Hast du schon Ausstellungen in anderen Teilen der Welt geplant?

Ja, Fotos der Serie sind noch bis zum 19. September in der Galerie Carte Blanche in San Francisco zu sehen. Ich hoffe, dass ich im Herbst noch eine Ausstellung in Berlin machen kann, derzeit gibt es aber noch keine konkreten Pläne. 2013 wird es eine Ausstellung in London geben, sie wird in Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro realisiert. Wir besprechen derzeit die Einzelheiten. Ich freue mich schon sehr darauf und bin sehr aufgeregt.

Matthias, vielen Dank für das Interview.

Mehr von Matthias Heiderich, bekannt als Heartbeatbox auf Flickr, in seinem Fotostream.

Veröffentlicht von Markus Spiering
Permalink