5 Fragen an Severin Koller

self_after_combat Unsere nächste Ausgabe der 5 Fragen führt uns von Berlin nach Wien zu le-koller (auch bekannt als Severin Koller), der von Ailine in unserem letzten Interview vorgeschlagen wurde.

Severin lebt in Wien und will noch in diesem Jahr nach London ziehen, um dort zu arbeiten. Er fotografiert seit Anfang 2005 professionell, und seine Hauptaufgabengebiete sind Architektur, Dokumentation und Portrait.

1. Severin, wir wissen, dass dies eine schwere Frage ist, aber wenn Du nur eine Kamera auswählen müsstest, mit der Du ab sofort bis zum Ende aller Tage fotografieren müsstest, welche würde das sein?

train poland

Severin: Leica MP, ganz einfach. Wenn es eben nur eine Kamera sein darf, würde ich mich für ein robustes Werkzeug entscheiden auf das ich mich in so gut wie jeder Situation verlassen kann. Jede Kamera hat ihre Beschränkungen. Da ich aber am liebsten Momentaufnahmen und Portraits schieße, ist für mich dies die beste Wahl. Wenn ich mit einer "M" ein Foto auf der Straße sehe und ich auslöse, sehe ich bereits den fertigen Print im Fixierer vor mir, weil ich weiß das diese Kamera nur das macht was ich einstelle und weiter nichts. Ich möchte so viel Kontrolle über ein Foto haben wie nur möglich.

2. Eine (möglicherweise) schwere Frage… Nenn uns Deine Lieblingsfotos auf Flickr und warum Du sie magst. Als erstes die Lieblinge aus Deinem Fotostream…

turkish fans in saloon

Prinzipiell kann man nicht sagen, dass mein Fotostream meinem Portfolio entspricht. Ich weiß oft nicht warum ich ein Bild hier poste. Manchmal weil ich nicht weiß, ob ich zufrieden mit meiner Arbeit bin oder nicht und mich daher die Meinung anderer interessiert. Manchesmal ist es einfach ein Gefühl, wenn ich mehrere Fotos bearbeite und mir eines ins Auge springt, dann lade ich es hier hoch.

Warum dieses Bild? Weil es einfach so ist wie ich es haben wollte. Es ist eines dieser Bilder, das mir wohl immer gefallen wird, eines dieser wenigen von dem ich sagen kann, dass ich kein zweites wie dieses schießen werde. Es repräsentiert das Augenscheinliche aber auch noch vieles mehr als nur formale Ästhetik oder den Moment. Es beinhaltet für mich einen Teil den Zeitgeistes des heutigen Wiens, welches eine erneuerte Welle der Durchmischung von Kulturen und Religionen erlebt. Die Ironie, dass die jungen Frauen mit Kopftuch im Haarsalon sitzen, zeigt für mich den totalen Kulturclash. Dass dieses Bild nicht nur optisch reizvoll ist, sondern eben auch gesellschaftspolitisch aussagekräftig ist und ganz ohne Text auskommt und trotzdem eine mehrfach zu deutende Aussage hat, macht es zu einem meiner persönlichen Favoriten.

…und von einem anderen Flickr Mitglied?

we have no choice but to choose 2

Severin: Die Massenproduktion ist ein sehr beliebtes Thema in Film und Fotografie der letzen Jahre. Das Foto spiegelt den gewünschten Konzeptuellen Inhalt der Serie „About the Effects on Personal Life Because of Mass Consumption“ klar wieder. Doch was es für mich einzigartig macht, ist die Stimmung die sowohl durch Licht und Szenerie eine gewisse Ruhe in sich trägt. Auf der anderen Seite gibt es eine Art Anspannung, die durch den Rettungswagen im Hintergrund und den zu stocken scheinenden Mann im Vordergrund ausgeht. Der Betrachter traut dieser Ruhe nun nicht mehr. Dieses mulmige Gefühl verstärkt die kritische Aussage des Bildes um ein vielfaches und macht es für mich unkonventioneller als die meisten dokumentarischen Fotos, die ich sonst zu sehen bekomme. Die Kritik basiert nicht mehr rein auf Inhalt, sondern auch auf emotionaler Ebene, bleibt aber subtil und entzieht sich jeder plakativen Herangehensweise.

3. Welchen speziellen Tipp würdest Du jemandem geben, der gerade mit dem Fotografieren anfängt?

Severin: Gib niemals auf. Sei dein größter Kritiker. Sei dir immer bewusst wo du gerade stehst, wo du herkamst und wohin du willst. Übe ständig. Setze dich mit dem Medium auseinander. Experimentiere. Versteife dich nicht nur auf Technik, Effekte und Ästhetik. Folge deiner Intuition. Scheiß dir nichts…

Wenn du talent hast, dann wirst du es auch schaffen.

tramstation night

4. Wenn wir ein Einstellungsgespräch mit jemanden führen, der Teil des Flickr-Teams werden will, fragen wir immer "Kätzchen, Babys, Sonnenuntergänge oder Blumen? Wähle eins aus.”

Severin: Ein Baby mit drei Kätzchen in einer Blumenwiese bei Sonnenuntergang, und eine nukleare Schockwelle im Anmarsch.

5. Welchem Flickr Mitglied sollten wir diese Fragen als nächstes stellen?

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Severin: Eines Tages, ich war gerade am fotografieren für ein Projekt zur Fussball-EM 2008, sah ich mitten unter den Fans einen jungen Herrn mit einer 4×5 Kamera. Ich weiß nicht mehr welche… es war auch nebensächlich. Das hat mich neugierig gemacht, und daraufhin habe ich ihn angesprochen. Es stellte sich heraus dass es Th@fred auf Flickr ist!

Kay: Herzlichen Dank für das Interview, Severin. Die 5 Fragen sind bald zurück mit Th@fred.

Fotos von le-koller, zjeery und Th@fred.

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Kay Kremerskothen

Kay is a Community Manager for Flickr and passionate about extraordinary photography. As an editor on Flickr Blog he loves to showcase the beauty and diversity of Flickr in his posts. When he's not blogging or making Flickr more awesome (in front of and behind the scenes), you can find him taking pictures with his beloved Nikon and iPhone, listening to Hans Zimmer's music or playing board games. | On Flickr you can find him at https://flic.kr/quicksilver