5 Fragen an Friedrich „Fred“ Schiller

. Für das nächstes 5 Fragen-Interview verweilen wir noch ein kleines Bisschen in Wien und treffen Th@fred (auch bekannt als Friedrich "Fred" Schiller), der mir von Severin in unserem letzten Interview vorgeschlagen wurde.

Th@fred fotografiert seit etwa vier Jahren. Angefangen hat er mit einer Kodak Digitalkamera. Nachdem er von den Ergebnissen ziemlich enttäuscht war, stieg er auf eine eine Filmkamera, genauer gesagt eine Yashica Electro 35, um. Fred ist Autodidakt und Amateurfotograf, der hauptberuftlich als Biochemiker arbeitet, was – seinen eigenen Worten nach – auch erklärt warum er so gerne experimentiert und mit Chemikalien panscht.

1. Fred, wir wissen, dass dies eine schwere Frage ist, aber wenn Du nur eine Kamera auswählen müsstest, mit der Du ab sofort bis zum Ende aller Tage fotografieren müsstest, welche würde das sein?

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Fred: Mein Hirn sagt Leica, und mein Herz sagt Graflex, Schraubenzieher oder Hammer? Schwere Frage! Die Graflex ist eine vielseitige Maschine, man kann sie aus der Hand benutzen und wie mit einer riesigen Messucherkamera fotografieren oder man schnallt sie aufs Stativ und ergötzt sich an den Verstellmöglichkeiten und am Bild auf der großen Mattscheibe. Noch dazu sind 4x5inch Negative (und erst Dias!) ein beeindruckender Anblick wenn man 35mm gewöhnt ist. Im Endeffekt aber würde ich trotzdem meine Leica M nehmen, sie ist extrem robust und zuverlässig und die Bedienung geht durch meine Erfahrung mit Ihr wie von selbst. Außerdem bin ich damit schneller als mit jeder anderen Kamera, was für meinen Fotografierstil und die Bilder die ich gerne mache von großem Vorteil ist.

2. Eine (möglicherweise) schwere Frage… Nenn uns Deine Lieblingsfotos auf Flickr und warum Du sie magst. Als erstes die Lieblinge aus Deinem Fotostream…

Das ist eine wirklich schwere Frage. Jedes meiner Bilder ist für ein paar Tage mein Liebligsfoto und überhaupt sind alle meine Bilder meine Kinder, da fällt es schwer sich für eines zu entscheiden! Am liebsten hab ich jene Bilder auf denen ein besonderer Moment festgehalten ist, seien das jetzt zufällige grafische Anordnungen im Chaos der Stadt oder eine spontane lustige Situation auf der Strasse, egal hauptsache autentisch! Bilder, zu denen ich immer wieder zurück komme, bzw. die ich mir öfter und gerne anschaue sind jene, bei denen ich das Gefühl habe, das sie nicht durch meine eigene „Kreativität“ entstanden sind, sondern dass ich sozusagen „beschenkt“ worden bin. Nicht falsch verstehen, dabei geht es nicht darum das ich aus 1000 zufälligen Fotos eines gut finde das ich nicht bewusst gesehen habe, sondern dass die Situation auf der Strasse sich entfaltet hat und ich zufällig zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gestanden und den Auslöser gedrückt habe.

Das Glücksgefühl das einen überkommt wenn man in so einer Situation das richtige macht (knipsen!) ist einfach unbeschreiblich und auch der Grund warum ich diese Fotos so gerne hab, und es ist meine Hauptmotivation zu fotografieren (es kann jederzeit passieren!). Eines meiner großen Vorbilder, Garry Winogrand, hat immer versucht zu vermeiden die eigenen Fotos zu emotional zu beurteilen, indem er seine Negative bis zu einem Jahr lang nicht entwickelt hat, um die Bilder mit gewissem Abstand beurteilen zu können, für mich ist das nichts! Klar kann der Betrachter meine emotionale Beziehung zu dem Bild nicht nachvollziehen, aber im Unterschied zu Gary W. fotografiere ich nicht für den (zahlenden) Betrachter sondern ausschließlich für mich selbst, eine Art Selbsterfahrungstrip für mich, wenn es noch jemandem gefällt dann ist das gut und freut mich, aber es ist für mich nicht essentiell.

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So, lange rede, kommen wir zu einem Bild das alles vorhin genannte für mich vereint. Ich mag dieses Foto vor allem weil es auf mehreren Ebenen funktioniert, etwas was ich immer versuche zu erreichen aber leider oft daran scheitere. Hier hat der Zufall Regie geführt und ich bin sehr dankbar dafür.

…und von einem anderen Flickr Mitglied?

Fred: Haha, und das soll jetzt leichter werden? Unmöglich nur ein Foto auszusuchen. Flickr ist voll mit fantastischen Fotografien von begnadeten Fotografen, ein unerschöpflicher Pool an Inspiration!

Wenn ich mir nur ein Foto aussuchen darf, dann eines das mich erst kürzlich sehr zum Lachen gebracht hat.
Diese Plakate hängen überall in Wien und ich wäre trotzdem nie auf diese Idee gekommen. Das hat Kay von Aspern wirklich fantastisch gesehen!

Fotografen, die ich respektiere und deren Streams ich sonst neben vielen anderen regelmäßig versuche zu besuchen sind Siegfried Hansen, Gumanow und Émmanuel Smague!

3. Welchen speziellen Tipp würdest Du jemandem geben, der gerade mit dem Fotografieren anfängt?

Fred: Ich würde sagen, man soll sich nichts reinreden lassen! Jeder der ernsthaft zu Fotografieren anfängt wird einen eigenen fotografischen Stil entwickeln wenn er sich nicht zu viel beeinflussen lässt und nicht versucht irgendwelchen Idealen oder Klischees zu entsprechen. Mach das, was Du willst und hab Spaß dabei, das ist für mich das wichtigste! Damit meine ich nicht, das man keine guten Ratschläge von Fotokollegen annehmen sollte, sondern nur das man erst einmal erforschen muss ob diese Ratschläge für einen als Individuum überhaupt gültig und relevant sind. Wenn ich zum Beispiel einem Anfänger sage, er solle doch mit einer Mechanischen Kamera und einem Handbelichtungsmesser losziehen, weil er so am besten das Licht „sehen“ lernt, so ist dieser Ratschlag aus meiner Perspektive durchaus wichtig, kann aber einem unbedarften Anfänger die Fotografie schneller verleiden als wenn er einer Vollautomatik das Belichten überlässt und sich mit dem Lernprozess verbundene Frustrationen erspart. Fotografieren ist wie das Leben, die wichtigsten Dinge muss man selber herausfinden!

4. Wenn wir ein Einstellungsgespräch mit jemanden führen, der Teil des Flickr-Teams werden will, fragen wir immer : "Kätzchen, Babys, Sonnenuntergänge oder Blumen? Wähle eins aus.”

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Fred: Das ist einfach, ich nehme die Sonnenuntergänge. Das Licht auf der Straße hat bei Sonnenuntergang so einen genialen Kontrast, die Schatten sind sehr lang und grafisch und es zaubert noch dazu die wunderbarsten Farben auf Diafilm, perfekte Bedingungen für interessante Street-Fotos. Wenn es dann noch regnet, während die Sonne untergeht (und ein Baby mit Kätzchen am Kopf in ein Städtisches Blumenbeet pinkelt) bin ich so richtig glücklich.

5. Welchem Flickr Mitglied sollten wir diese Fragen als nächstes stellen?

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Fred: Ich würde gerne Philipp A. vorschlagen. Einfach weil ich seine Porträtfotografie außergewöhnlich gut und inspirierend finde und es mich sehr interessieren würde wie er auf diese fünf Fragen antwortet.

Kay: Herzlichen Dank für das Interview, Fred. Die 5 Fragen sind bald zurück mit Philipp A.

Fotos von Th@fred, Kay von Aspern und Philipp A..

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Kay Kremerskothen

Kay is a Community Manager for Flickr and passionate about extraordinary photography. As an editor on Flickr Blog he loves to showcase the beauty and diversity of Flickr in his posts. When he's not blogging or making Flickr more awesome (in front of and behind the scenes), you can find him taking pictures with his beloved Nikon and iPhone, listening to Hans Zimmer's music or playing board games. | On Flickr you can find him at https://flic.kr/quicksilver